Von der Vielschichtigkeit der Gegenwart.

Bernd Alois Zimmermann avancierte unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs zu einem der wichtigsten Komponisten der mittleren Generation, war nach dem Krieg ein wenig zu alt, um zu den Jungen Wilden um Stockhausen, Nono und Boulez, die einen dezidierten Traditionsbruch herbeiführten, zu gehören, und zu jung, um sofort ins »Establishment« zu wechseln.
1918 geboren und bereits 52-jährig viel zu früh in Köln freiwilllig aus dem Leben geschieden, hatte Zimmermann von Anbeginn seiner kompositorischen Arbeit an die Vielschichtigkeit und Vielgestaltigkeit der musikalischen Tradition im Blick. In seinem Denken gab es vorderhand kein »schlechtes« Material, das es zu meiden, oder Verbote, die es zu achten gelte. Für ihn, der die Collage zu einem hochvirtuosen Amalgam unterschiedlichster Zeitstränge formte, bildeten Gebrauchsmusik und Jazz, serielle Musik und neoklassizistische Anklänge, Spirituals und komplexe Formen keine Gegensätze, sondern waren Teil eines Großen Ganzen – Zimmermann fand dafür das sehr plastische Bild einer »Kugelgestalt der Zeit«.
»Musik und Zeit« lautet das Thema der zweiten Ausgabe von cresc..., mit Konzentration auf Bernd Alois Zimmermann. Feste Konstanten sind die beiden Hauptpartner Ensemble Modern und hr-Sinfonieorchester sowie als Kooperationspartner das Internationale Musikinstitut Darmstadt. Eine weitere wichtige Partnerinstitution konnte
mit der Alten Oper Frankfurt gewonnen werden. In Darmstadt steht dieses Mal das Staatstheater für einen vielgestaltigen Abend zur Verfügung.
Zentrale Werke aus Zimmermanns Schaffen bilden den Rahmen der vier Festivaltage. Dazu finden sich 12 Uraufführungen, Kammermusik-, Ensemble- und Orchesterwerke, ein Liedrecital mit Christiane Oelze, eine eigens für cresc... erarbeitete Tanzperformance, ein Live-Remix-Projekt der Gebrüder Teichmann aus Berlin, verschiedene
Auftritte der hr-Bigband sowie weiterer Gastensembles – darunter das Arditti Quartet und die New Yorker »Band« Alarm Will Sound. Ein Response-Projekt, Kinderkonzerte, ein Symposium sowie Konzerteinführungen runden ein dichtes, facettenreiches und spannendes Programm ab, das neue Schlaglichter auf Bernd Alois Zimmermanns heterogenes OEuvre werfen wird.

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201321.–24. November 

© cresc biennale 2013